Sonne scheint auf Augenhöhe,
gefühlte 15 Grad flirten noch
etwas unbeholfen mit den
nackten Häuten auf den
Straßen und Plätzen. Auch in
Barcelona ist der Winter kühl,
der Januar regnerisch, die
Stimmung durchwachsen.
Doch ist jetzt die Sonne
zurückgekehrt; sie scheint so
selbstbewusst und färbt die
Dächer und Fassaden
in ein feierliches Gelb.
Als ob Sie nie weggewesen wäre.
Die ersten Erasmusen müssen
Ihre verträumten Seifenblasen
verlassen und kehren wieder zurück
in Ihre kleinen Realitäten,
genießen noch die letzten
Atemzüge, streifen durch Ihre
Lieblingsgassen, bereuen ein wenig
die Tage, wo sie nur rumgehangen
haben und versuchen noch auf
den letzten Drücker die Zeit
anzuhalten.
Doch schon kommt der nächste Schub
an Erasmusen an; Behausung suchen,
an der Uni registrieren, orientieren und
die Gegend auskundschaften; gutes
Timing, da triste blaugraue Dächer
und Fassaden nicht so viel hergeben.
Mein Zimmer ist immernoch pink.
Ich bilde mir ein, dass die Farbe
förderlich für meine Kreativität ist;
ist wahrscheinlich aber auch nur
eine psychologische Ausrede, damit
Ich nicht streichen muss.
Das Meiste passiert hier in der ersten
Hälfte der Woche, vorallem wenn man
beim Feiern den Touris aus dem Weg
gehen will. Das wissen jetzt aber auch
die Touris. Verzwickte Sache.
Barcelona kann man sich nicht mehr
ohne die ganzen Pakis vorstellen, die
dir überall, wo eine Diskokugel aufblitzt,
vorm Eingang mitm Estrella auflauern.
Eine systematisch perfekt durchstrukturierte
Bier-Service-Mafia. Da kann man fast
nie nein sagen, auch wenn man bereits
diverse Bierversteck-Horrorstories gehört hat.
Durchschnittlich konsumiert man hier 4
Mojitos die Woche; weil sie gut schmecken
und allgegenwärtig sind. Sie passen echt zu
jeder Gelegenheit; demnächst mal Morgens
mit Müsli probieren.
endorfin de semana
shape me please
la botella verde
the mats lande – overlight in your face collection, uno
the mats lande – overlight in your face collection, dos
the mats lande – overlight in your face collection, tres
infinidad
sunshine addicts
the carnival
la mesa de las mezclas
soju tinto estrella
the no-tomorrow boy
Ich habe wieder zurück ins Licht gefunden. Ich stehe
wieder Morgens früh auf, wasche mir Gesicht und
Hände, um daraufhin dann im heiligen Buch zu blättern.
340 Seiten Regeln und Philosophien rund um die große
Kunst der Bewegung, verziert mit 700+ Bildern und Foto-
grafien der heiligen Werke. Ich habe wieder Halt auf mei-
nen wackligen Limps, mein schwaches Herz schlägt wieder
mit 25 Frames per Second, Ich verspüre wieder strotzende
(Deck-)kraft in mir. Einfach nach Maureen Furniss
und Animation Bible googlen. Funktioniert.
Glaubt mir. Ich tue es jedenfalls wieder.
power off (grayskull), kickprint, 2009, 20×30cm
kick back & relax
_
Ja genau.
Neben all den Konzerten, Veranstaltungen, Clubs, Cafes, Sehenswürdigkeiten,
Attraktionen und Cockfights versuche Ich mich auch noch auf das Studieren zu
konzentrieren; recht intensiv sogar für einen Erasmusstudenten ,
sagt bzw. schimpft man mir nach. Neben dem obligatorischem Hauptprojekt,
welches dem Basisinstitut der HBK ähnelt, habe Ich noch vier andere Kurse;
Video, Animation, architektonisches Zeichnen und Illustration. Obwohl das
Hauptprojekt um Einiges angenehmer als das Basisinstitut der HBK ist, geht
man dort am Ungernsten hin; zwei Professoren auf knapp 20 Studenten aus
allen Studienrichtungen verteilt mit Aufgaben, die nicht einmal die Professoren
so richtig formulieren können. Nach der ersten Aufgabe – einen knapp DinA2
großen Plan des zugeteilten Partners gestalten – befassen wir uns momentan
damit, wie man in zwei 3×3x6m große, lebensechte Kontainer
einen Lebensraum für vier Personen lebenswürdig gestaltet; selbst der
langweiligste Architekturstudent würde wohl nicht mehr als ein Gähnen hervor-
bringen. Aber so mühsam diese obligatorische Veranstaltung auch ist, so erfreu-
licher sind die restlichen Kurse. Der Zeichenkurs findet jede Woche an einem
meist interessanten Ort unter freiem Himmel statt, der Illustrationskurs wird von
einem höchst dynamischen, unterhaltsamen, homosexuellen Katalanen geleitet,
im Animationskurs pendeln wir zwischen eigener Projektarbeit und kontem-
porären Animationsfilmvorführungen und im Videokurs fühle Ich mich wie zu
Hause, da es jetzt der Vierte ist, den Ich in meinem Studium besuche.
Da muss man dann halt hartnäckig sein.
Die Finger klimpern auf den Tasten
und grätschen zwischen tab und del,
apfel und ctrl, alt und escape.
Sie kritzeln lange Fäden wie endlose Lakritze,
so dünn und fein wie Tangafäden in Arschritzen.
Diese werden hier in BCN anscheinend gerne in
Toiletten von Bars und Clubs geteilt. Apropos,
wenn Xavi, mein Mitbewohner und Experte
in Sachen Clubtoiletten, nicht auf seinem Saxo-
phon rumtrötet, hört er seit ein paar Tagen die ge-
samte Diskographie Max Herres und bestätigt wie-
der, dass Qualität keine Schranken kennt. Doch
spitze Ich hier nicht nur meine Ohren, sondern
auch Bleistifte.
Für Animationsschraffuren.
Illustrationsendlosketten.
Logostempeln.
Storyboards und Moodvideos.
Gehirntomographiepläne.
Landschaftsskizzen.
Die besten Pizzen gibts hier an der Rambla del Raval,
mit überschaubaren Preisen und Qualitätsbestätigungen
spanischer, norwegischer und italienischer Pseudoex-
perten. Als traditionstreuer, deutscher Bürger habe Ich mir
auch schon eine nette, kleine Taekwondoschule rausge-
sucht; der seit dreißig Jahren in Barcelona lebende Meister
bringt mir die Kunst des Holzbretterzerschlagens und Äpfel-
vom Kopfwegtretens so engagiert bei, dass er sich Letztens
bei einem Duichagi eine Bänderdehnung zugezogen hat.
perdon, maestro!
Letztes Wochenende fand in unserer WG ne Party mit inter-
nationalen Tapas und Studenten statt; Deutschland war mit
Würstchen und Modeselektor vertreten. Die Party wurde
dann um 3 in die Innenstadt verlegt, als ein Nachbar Wasser
durchs Fenster warf; wahrscheinlich ein Atlantiker, der die
Menschensprache nicht beherrscht. Allgemein können die
Katalanen anscheinend nicht so gut mit Wasser umgehen.
Als es letzte Woche in Strömen regnete, waren viele Metro-
stationen wegen Überschwemmungen gesperrt.
Es war ein goldener Tag für Regenschirmverkäufer
und ein Nasser für chinesische Tastenklimperer.
_

Manchmal assistiert Einem ein guter alter Kater sich den
hyperguten Dingen im Leben hinzugeben. Gebratene
Pilze aus katalanischen Wäldern, kubanische Zigarren
aus haarigem Besitz, Straßengeräusche-ausblendende,
geschlossene Fenster und der neueste Geniestreich von
Sam Mendes komponieren in diesem Falle ein Parade-
beispiel verträumter Muße.
Away We Go handelt von einem zukünftigen Elternpaar,
das sich aufmacht,um in den Weiten Amerikas ein neues
Zuhause für ihre Dreisamkeit zu finden.
“More often than not, and where it really counts,
“Away We Go” hits home.” – CNN
Soll im Endeffekt heißen: Anschauen gehen.






















































